Eine heute weit verbreitete Meinung besagt, dass die Geschichte weder einen folgerichtigen Verlauf zeige noch einem Ziel zustrebe. Sie sei womöglich überhaupt am Ende, und es ereigne sich gegenwärtig nichts Epochales mehr. Geschichtsphilosophie, seit Voltaire eine respektable Disziplin der Philosophie, ist besonders seit den stürmischen Ereignissen des letzten Viertels des vergangenen Jahrhunderts akademischer und außerakademischer Missachtung verfallen. Dennoch sind die Fragen, welche Folgerichtigkeit dem Geschehen der Vergangenheit innewohnt und welche Erwartungen die Menschheit für die Zukunft haben kann, genuin philosophisch. Die Vorlesung wird sich deshalb der Legitimität dieser Fragen durch eine Kritik der heutigen Einwände versichern, um dann die geschichtsphilosophischen Grundprobleme Freiheit oder Determinismus und Kausalität und Teleologie sowie die Frage nach dem Fortschritt zu diskutieren. Dies geschieht im Interesse einer Theorie des gegenwärtigen Zeitalters.