Gesellschaftswissenschaftliches Institut Hannover

Detailansicht

Suche

30.06.11 13:00

Wahrheit – Kunst – Gesellschaft. Adorno heute

Tagung der Adorno-Forschungsstelle an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Programm unter: www.philosophie.uni-oldenburg.de/33307.html

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist nach wie vor „das Gröbste: daß keiner mehr hungern soll“, fürderzeit eine Milliarde Menschen nur ein leeres Versprechen. Der technologische Fortschritt wiedie Globalisierung einer den Regeln des Marktes folgenden Rationalität haben daran nichtsgeändert. Die reflektierte Auseinandersetzung mit einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, die „einzig[...], knirschend, stöhnend, mit unsäglichen Opfern“ sich erhält, steht insofern mehr denn je an. Sie bedarf des Rückgangs auf die originären Motive Kritischer Theorie bei Theodor W. Adorno. Freilich müssen auch deren Ansprüche und Begriffsstrategien einer kritischen Sichtung und Überprüfung unterzogen werden – eine Aufgabe, die nur mit Hilfe disziplinüberschreitender Arbeit und Diskussion zu lösen ist.

Die Tagung der Adorno-Forschungsstelle Oldenburg will einen Beitrag dazu leisten und geht vorallem dem Zusammenhang von Kritik und Gesellschaftstheorie nach, fragt, warum Sozialtheorienicht anders denn als kritische möglich ist und wie sie es sein kann. Eine Antwort auf diese Fragen ist ohne philosophische Reflexion nicht zu haben. Daher widmet sich die Tagung der Problematisierung des Verhältnisses von Logik und dialektischem Erkenntnisanspruch, von Individualität und normativem Kritikpotential, von Negation und Affirmation des Systemanspruchsder Vernunft.

Der noch heute provozierende Gehalt von Adornos Denken erweist sich aber vor allem in dermaterialen Analyse. Es wäre im Geiste Adornos absurd, Wahrheit und Kritik jenseits der zur Kritik herausfordernden und ihrer bedürfenden Verhältnisse zu thematisieren. Hier wird insbesonderedie Frage nach dem Vermittlungszusammenhang von Gesellschaft, Individuum und Kulturvirulent, dem Potential einer „totalen Vergesellschaftung“ der Menschen in der allein gemäß den Maßgaben der Verwertungs- und Herrschaftslogik rationalisierten, aber keineswegs rationalen Welt. Im Zentrum soll dabei die Frage nach der Aktualität wichtiger Überlegungen Adornos zur Gesellschaftstheorie und Kulturwissenschaft stehen: Können seine Beiträge zum autoritärenCharakter als psychischem Kitt und emotionaler Matrix illiberaler Bewegungen das heutige Potential gesellschaftlicher Regression und des Antisemitismus erklären? Kann sein Begriff der Kulturindustrie, durch deren „Filter“ „die ganze Welt“ wahrgenommen wird, noch überzeugen? Und schließlich: Ist Adornos Identifizierung des nonkonformistischen Potentials der Kunst, deren Ausdruck die schlechte Realität negiere, indem er ihr vorhalte, was ihr nicht gleicht, ohne diese Realität zu verleugnen, noch haltbar?

Ein Up-date des Erklärungsgewinns, den Adornos Denken heute bietet, steht an. Dies umsomehr, als die Notwendigkeit einer sich nicht in Sozialtechnokratie erschöpfenden Theorie der Gesellschaft immer evidenter erscheint. Die Tagung will einen Beitrag dazu leisten.

Programm unter: www.philosophie.uni-oldenburg.de/33307.html


Nach oben