Gesellschaftswissenschaftliches Institut Hannover

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Das Nationale im Antisemitismus. Wie die Unterordnung unter die Nation den Antisemiten freien Lauf lässt

Samstag, 21.5., 13.00 – 20.00 Uhr

Universität Hannover, Schneiderberg 50, V410

info@.gi-hannover.de

Antisemitismus ist eine falsche, unvernünftige und folgenschwere Art, die Welt zu erklären. Antisemiten gilt „der Jude“ als Verursacher aller möglichen gesellschaftlichen Übel. Den Juden wird die maximale Profitmacherei als kollektive Charaktereigenschaft zugesprochen. Sie seien die eigentlichen Strippenzieher an der Börse und in den Massenmedien. Insbesondere in Gestalt der „jüdischen Lobby in den USA“ werden sie als „geheime Weltregierung“ denunziert, die sich in fremden Nationen einniste, um durch die Verursachung politischer und ökonomischer Krisen den Erfolg ihrer „Wirtsvölker“ zu untergraben.

An diesem antisemitischen Erklärungsangebot der modernen Welt fallen einige bekannte Strukturen auf – die herzlich wenig mit Juden, dafür umso mehr mit den Prinzipien der modernen Gesellschaft zu tun haben. Tatsächlich dreht sich in der kapitalistischen Wirtschaft alles ums Geld, und allenthalben versuchen Interessengruppen, ihre politischen Ziele durch mediale Inszenierung und Lobbyismus durchzusetzen.

In den letzten Jahren hat die theoretische Kritik und Erklärung des Antisemitismus zugenommen. Kritisiert wird der Antisemitismus zuerst einmal dafür, gesellschaftliche Missstände – reale oder vorgestellte – auf Juden und Jüdinnen zu projizieren. Innerhalb der politischen und akademischen Linken liegt der Fokus meist auf den falschen Vorstellungen der Antisemiten von kapitalistischer Ökonomie, insbesondere vom Finanzkapital. Was dabei oft außen vor bleibt, ist der antisemitische Bezug auf die Nation.

Dieser blinde Fleck in der Analyse mag daher kommen, dass die Kritik am Nationalen wissenschaftlich nur unzureichend entwickelt ist und politisch unbeliebt bleibt. Damit wollen wir aufräumen. Unsere Tagung stellt den systematischen und den historischen Zusammenhang von Nation, Nationalismus und Antisemitismus in den Mittelpunkt. Es soll zur Diskussion gestellt werden, in welcher Weise sich Antisemiten als Subjekte – genauso wie viele andere Bürger – ganz prinzipiell der Nation untergeordnet haben, wenn sie auf Juden schimpfen.

Der erste Beitrag schildert die Entstehung antisemitischer Pogrome in Russland und welchen Bezug diese zum Aufkommen der Moderne hat. Im zweiten Vortrag wird das systematische Verhältnis von bürgerlicher Gesellschaft und Nation bestimmt und der Zusammenhang zum Antisemitismus erläutert. Im dritten Beitrag schließlich wird der eliminatorische Antisemitismus der Nazis als besondere Form nationalistischer und imperialistischer Ideologie behandelt.

Bei allen Vorträgen ist Zeit zur anschließenden Diskussion eingeplant.

 

Programm

13.00 – 15.00 Uhr
Die Pogrome im Zarenreich. Reflexionen zum Antisemitismus
(Bengt Bethmann)

15.00 -17.00 Uhr
Nationale Identität als Prinzip bürgerlicher Gesellschaft und notwendige Voraussetzung für Antisemitismus (Ilka Schröder)

17.00 -18.00 Uhr
Pause

18.00 – 20.00 Uhr
Antisemitismus und Imperialismus im Nationalsozialismus (Heiko Vollmann)


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